Archiv des Autors: Timo Gerstel

Heiße Phase.

Die buchstäbliche „heiße Phase“ gibt es in den letzten Tagen gleich mehrfach bei uns im Autohaus. Einerseits kommt nun endlich mal das Wetter in die Gänge und wird (hoch)sommerlich, dazu kommt dann das Fieber und die Vorfreude in Sachen Fußballweltmeisterschaft, zu der wir unseren Showroom passend beflaggt haben. Sieht doch gleich viel hübscher aus!

Und andererseits stehen wir in den letzten Vorbereitungen zu unserem Premierenfest des neuen Opel Meriva am kommenden Wochenende und die Vorbereitungen haben es wirklich in sich, denn neben dem König Fußball regiert dieses Wochenende auch noch die „Pforzheimer Messe“, der jährliche Jahrmarkt in der Stadt Pforzheim. Und das bedeutete in Sachen Getränkelogistik harte Telefonarbeit, die aber dann doch noch zum Erfolg geführt hat. Dem leiblichen Wohl steht also am Samstag und Sonntag bei uns im Autohaus nichts im Wege und auch unser „Räucher-Joe“ (ein Räuchergrill) steht schon bereit.

Oldtimer bei Gerstel: Opel GT.

Damit sind keineswegs unsere zum Teil langjährigen Mitarbeiter gemeint, eher unsere Sammlung historischer Fahrzeuge. Für diese bin ich in der Firma zuständig. Unser „Fuhrpark“ besteht aus 4 Oldtimern und 2 Youngtimern. Diese werde ich Ihnen alle nach und nach ausführlich vorstellen.

Widmen wir uns heute unserem Opel GT, Baujahr 1971 (Tag der ersten Zulassung 6.5.1971). Dieses Fahrzeug stammt aus unserem Hause, wurde also einmal von uns ausgeliefert. Käufer war ein entfernter Verwandte unserer Familie. Das Fahrzeug wurde am 27.06.1983 abgemeldet und ging dann in unseren Besitz über. Aufwändige Restaurierungsarbeiten an der Karosserie (ich sage nur: „Verzinken“…) und einige Arbeiten am Innenraum machten das Fahrzeug zu dem, was es jetzt ist. Ein vollrestaurierter Oldtimer (Großansicht wie immer mit einem Klick auf das Bild):

Sicher ist Restauration Geschmacksache. Meiner Meinung nach sollte eine Restauration den Originalzustand des Fahrzeuges wieder herstellen. Dies ist nicht immer einfach, wenn man sich mal die Verfügbarkeitskurve von Ersatzteilen anschaut. Da gibt es bei Serienautos nämlich ein interessantes Phänomen:

Der Hersteller ist verpflichtet, technische Teile noch 10 Jahre nach Einstellen der Serienproduktion eines Fahrzeuges vorzuhalten. Bis dahin ist es noch kein sehr großes Problem, Ersatzteile zu finden. Das Ende der Serienfertigung des Opel GT kam 1973, Ersatzteile gab es dann also bis 1983. Und nun, beispielsweise für meinen „Youngtimer“, ein Opel Senator B, der sich genau in dieser Zeit befindet? In dieser „Danach“-Zeit ist es tatsächlich nämlich relativ schwierig, an Teile zu kommen.

Das ändert sich erst wieder ein paar Jahre später, wenn der Markt sich „bereinigt“ und überschaubar wird. Es gibt naturgemäß immer weniger Fahrzeuge aus den betreffenden Serien, die „normalen“ Nutzer fahren ihre Autos irgendwann auf den Schrottplatz und am Ende bleiben einige wenige Tausend oder gar Hundert Fahrzeuge zurück, die Basteleien und/oder den Zahn der Zeit überleben. Dann beginnen viele kleine Firmen wieder, Teile in geringen Stückzahlen zu produzieren. So auch bei unserem GT. Auf Anfrage nach einem Original Schaltknauf (jetzt ziert ein eher hässlicher Knauf eines E-Kadetts den Schaltknüppel) teilte man mir mit, dass eine Kleinserie nächste oder übernächste Woche fertig werden soll. Original-Schwarz, Original-Form aus der Original-Maschine. Natürlich gleich bestellt. Und für 15 – 20 € endlich wieder einen heilen Innenraum.

Zur Farbe von unserem GT: Also jetzt wird’s knifflig für mich… es ist jetzt nämlich Anthrazit. Das ist nicht ansatzweise eine der Farben, in der der Opel GT ausgeliefert wurde. Ursprünglich war unser GT gelb! So hätte ich das auch wieder gemacht, aber unser Vater machte ihn anthrazit. So hat jeder seine Philosophie der Autorestauration.

Das Fahrgefühl jedenfalls hat nicht darunter gelitten. Der GT lässt sich prima fahren und macht jede Menge Spass. Das nahe Sitzen an der Hinterachse ist ein richtig gutes Gefühl. Den Vorderwagen um die Ecken zu steuern… das wendige Lenkverhalten ist trotz Fehlen einer Servolenkung einwandfrei! Die mechanisch umklappbaren Scheinwerfer sind ein Hingucker. Die maximale Zuladung des GT beträgt allerdings 220 kg! Also ich mit meinem Kumpel… Sprechen wir nicht weiter!

Fazit: Der Opel GT bleibt ein Klassiker und Mythos. Er besticht durch seine klare Linienführung und der nicht zu leugnenden Verwandtschaft zur Corvette. Das Fahrgefühl ist ungefiltert, jeden Straßenbelag gibt das Fahrwerk ungetrübt weiter an den Hosenboden des Fahrers, der, auf schwarzen Kunstleder gebettet, satt in diesem Auto sitzt. Sonderausstattung war das Kunstleder nicht. Im Sommer ist es jedoch ratsam, vor Fahrtantritt ausreichend für Durchzug zu sorgen um keine Brandblasen am Allerwertesten davonzutragen. Aber Luxus geht nicht ohne Leiden!

Der GT ist ein Fahrzeug, der einem Single mit kleinem Einkaufsvolumen (er hat keinen Kofferraum!) sehr viel Fahrspaß vermittelt. Mir jedenfalls macht er sehr viel Spaß und wenn meine Kinder gerade mal nicht mit Papa fahren wollen, werde ich zum GT greifen.

Highlight zum Opel-Meriva-Premierenfest.

Auch wenn heute Montag ist und der Montag mit den typischen Erscheinungen zu Tage tritt – nämlich einem vollen Hof – freuen wir uns auf das nächste Wochenende, denn da ist das offizielle Premierenfest des neuen Opel Meriva bei uns im Autohaus. Und da es eine gute Tradition unseres Autohauses ist, auf unseren Premierenfesten etwas auf die Beine zu stellen und wir auch schon die ersten Anfragen haben, was wir denn zur Einführung des Opel Meriva aufbieten… bitteschön:

Das gute Stück, ein 70-m-Autokran des Pforzheimer Kranverleihs Rothmund, gibt es bei uns zwar nicht zu kaufen, aber dafür zum Ausprobieren. Dieser Bolide, der während der Woche in ganz Deutschland ein gefragtes Werkzeug ist, wird nächstes Wochenende in der Altstädter Straße an unserem Autohaus stehen. Obwohl allein schon das Fahrzeug höchst eindrucksvoll ist, tun wir dennoch etwas damit, nämlich in regelmäßigen Abständen eine Personenkorb hochziehen lassen, von dem Sie dann einen seltenen und unvergesslichen Blick auf unsere Stadt haben werden, sozusagen „Auge in Auge“ mit Kirch- und Sparkassenturm. Hoffen wir, dass uns die Witterung keinen Strich durch die Rechnung macht, denn auch wir freuen uns sehr auf Rothmund-Geschäftsführer Heiko Brückner, der persönlich sein „Spielzeug“ bedienen wird.

Neben dieser Hauptattraktion gibt es wieder ein lustiges Kinderprogramm, die beste Versorgung für das leibliche Wohl weit und breit mit unserem „Räucher-Joe“ und natürlich die komplette Opel-Modellpalette zum Probesitzen und Probefahren.

Nochmal die genauen Daten:

  • Samstag, 12. Juni 2010: 9 bis 16 Uhr
  • Sonntag, 13. Juni 2010: 11 bis 16 Uhr
  • Autohaus Heinrich Gerstel, Altstädter Straße 14-18, 75175 Pforzheim

(Der erforderliche Disclaimer: Außerhalb der gesetzlichen Öffnungszeiten keine Beratung und Verkauf.)

Eine Frage: Warum gibt es in Großbritannien kein Opel?

Der Kenner kennt natürlich die schnelle Antwort: In Großbritannien und Nordirland gibt es kein Opel, sondern dort vereinen sich die meisten, im restlichen Europa als Opel-Modelle bekannten Fahrzeuge unter der Marke Vauxhall. Es lohnt sich jedoch, einmal über die ausführlichere Antwort zu sprechen.

Vauxhall hat seine Ursprünge in einem Unternehmen namens Alex Wilson & Company Steam Engineers, wurde in Großbritannien im Jahre 1857 als Maschinenfabrik gegründet und betätigte sich zunächst, wie sollte es in Großbritannien zur damaligen Zeit auch anders sein, im Markt der Dampfmaschinen. Im Jahre 1894 kam dann der Name „Vauxhall“ ins Spiel, in dem das Unternehmen in Vauxhall Iron Works umbenannt wurde. Elf Jahre später, im Jahre 1905, kam dann die Umbenennung in Vauxhall Motors und damit zeichnete sich auch schon der nachfolgende Weg von Vauxhall vor, nämlich die Produktion von Automobilen. Das erste Modell war ein Fahrzeug namens „Vauxhall 5 h.p.“, wobei das „5 h.p.“ für „5 Pferdestärken“ steht. So ging das eine Weile weiter. Vauxhall steigerte bei den ersten eher pragmatischen Modellen konsequent die Leistung und baute eigene Modellreihen, die man auch als Konkurrenz zu den deutschen Automobilen der damaligen Zeit verstand. Von Anfang an hatten Vauxhall-Fahrzeuge ein typisch „britisches“ Aussehen, etwas kugelig, gemütlich, etwas „lieb“ ausschauend.

Der Erste Weltkrieg war eine Zäsur für Vauxhall Motors, genau genommen die Nachkriegszeit. Man setzte nämlich weiterhin auf eher sportliche Modelle, die vom Markt nur sehr schleppend angenommen wurden, zudem hatte Vauxhall von Anfang an das Problem, dass man noch nie in großen Stückzahlen produzieren konnte. Die unausweichliche Folge waren finanzielle Probleme des Unternehmens. Die Rettung nahte in Form des amerikanischen Automobilherstellers General Motors, der 1925 Vauxhall Motors übernahm und damit sein europäisches Engagement begann.

Der Einstieg von General Motors bedeutete zunächst, dass man sich vom Vierzylindermotor zugunsten des Sechszylindermotors verabschiedete und „amerikanische“ Modelle baute. Erst einige Jahre nach dem Einstieg von GM konzentrierte sich Vauxhall wieder auf kleinere Automobile, die einfach besser dem britischen Automobilzeitgeist entsprachen. Ein wichtiges Ergebnis war der Vauxhall 10, der jahrzehntelang die britischen Straßen bevölkerte und für viele Menschen immer noch das britische Automobil schlechthin ist. Im Jahre 1930 begann Vauxhall Motors auch ein anderes, wichtiges Kapitel: Die Gründung des Tochterunternehmens Bedford als Hersteller von Nutzfahrzeugen. Bedford prägte ebenfalls mit seinen Lastwagen, Lieferwagen, Bussen und Kleintransportern das Straßenbild Großbritanniens.

Mitte der 1970er-Jahre änderte sich Vauxhall grundlegend, in dem General Motors die Fahrzeugfertigung in Europa grundlegend umstrukturierte. Die Entwicklungsabteilungen von Vauxhall wurden geschlossen und damit endete auch die eigenständige Modellpalette von Vauxhall. Opel, das es bis zur Umstrukturierung in Großbritannien und Nordirland als weitere General-Motors-Marke noch gab, verschwand nach und nach und wurde dadurch ersetzt, dass Opel-Modelle in Großbritannien und Nordirland unter der Marke Vauxhall verkauft wurden, meist mit den gleichen Ausstattungsvarianten und den gleichen Modellnamen, eben aber einer anderen Marke. Der Opel Astra fährt in Großbritannien daher als Vauxhall Astra.

Eine Frage: Reaktion auf Wildunfälle.

Eine Frage: Eine Leserin hat uns aufgrund des Artikels „Wildsau gegen Opel Vectra“ eine Frage geschickt, nämlich die nach der korrekten Reaktion auf einen Wildunfall. Die wollen wir gern beantworten, auch wenn das Thema eher unangenehm ist.

Vorausschauendes Verhalten, um Wildunfälle zu vermeiden bzw. glimpflich zu überstehen

  • Beachten Sie die Verkehrszeichen, die vor Wildwechsel warnen. Diese Schilder stehen in der Regel nicht wahllos in der Landschaft, sondern tatsächlich dort, wo in der Vergangenheit Wildwechsel beobachtet wurde. Vorausschauend fahren Sie, wenn Sie in der Dämmerung und in der Nacht das Tempo wegnehmen und besonders umsichtig fahren, also auch etwas aufmerksamer links und rechts an den Straßenrand schauen. Oft kündigt sich Wildwechsel hier schon sichtbar an.
  • Wenn Sie Wild sehen oder gar vor Ihnen auf der Straße auftaucht: Fuß vom Gas! Bremsen Sie jedoch nur, wenn hinter Ihnen niemand fährt und keine Gefahr besteht, dass Ihnen jemand bei einer scharfen Bremsung hinten hineinfährt. Falls Sie mit Licht fahren, sollten Sie abblenden, also eventuell eingeschaltetes Fernlicht ausschalten, da Wild von starkem Licht oft wie festgenagelt reagiert. Setzen Sie zudem Ihre Hupe ein und beobachten Sie, wie das Wild darauf reagiert.
  • Wenn Sie einen Zusammenstoß nicht verhindern können, weil das Wild zu dicht vor Ihnen auf der Straße auftaucht oder Sie nicht abbremsen können, weil hinter Ihnen jemand fährt, sollten Sie, so schlimm sich das anhört, draufhalten. Verreißen Sie das Lenkrad nicht, solche unbedachten Fahrmanöver enden leider viel zu oft im Wald an einem Baum, im Straßengraben oder im Gegenverkehr.

Nach einem Wildunfall

  • Wenn es zu einem Zusammenstoß mit Wild gekommen ist, müssen Sie unbedingt handeln. Fahren Sie keinesfalls einfach weiter, sondern halten Sie an. Ein verletztes oder getötetes Tier, das möglicherweise auf der Straße liegt, stellt für andere Verkehrsteilnehmer eine Gefahr dar, zudem muss ein verletztes Tier von seinen Qualen erlöst werden, selbst wenn es sich in den Wald schleppt.
  • Nehmen Sie angefahrenes Wild keinesfalls mit, denn das erfüllt den Straftatbestand der Wilderei.
  • Sichern Sie als erstes die Unfallstelle ab! Warnblinker an, Warndreieck aufstellen und ggf. eine Warnleuchte aufstellen, falls vorhanden. Falls es verletzte Personen gibt, sollten Sie selbstverständlich Erste Hilfe leisten.
  • Verständigen Sie unbedingt die Polizei und geben Sie möglichst genau Ihren Standort durch. Bei Wildunfällen informiert die Polizei in der Regel die zuständige Jagdaufsicht, die, auch nachts, hinzugerufen wird. Die Polizei wird vor Ort den Unfall aufnehmen und Ihnen eine Wildunfallbescheinigung ausstellen. Den Einsatz eines Jägers müssen Sie übrigens nicht bezahlen.
  • Fassen Sie ein verletztes Tier keinesfalls an, Sie können für das Tier nichts tun. Ein panisch reagierendes Tier könnte Sie verletzten, außerdem besteht die Gefahr einer Tollwutinfektion, wenn Sie ein Tier ohne Handschuhe o.ä. anfassen. Falls sich das Tier von der Straße schleppt und in der Dunkelheit verschwindet, sollten Sie sich die Richtung merken. Dies hilft der Jagdaufsicht bei der Suche nach dem Tier bzw. macht die Suche meist erst möglich.

Reparatur und Regulierung

  • Ist das Fahrzeug noch fahrbereit, fahren Sie nach der polizeilichen Aufnahme damit nach Hause bzw. an Ihren Zielort. Informieren Sie aber zügig Ihre Autowerkstatt, damit der Schaden dort begutachtet werden kann. Was Sie nicht tun sollten: Das Auto reinigen, so schlimm es auch aussieht. Bei Wildunfällen sind so Dinge wie klebende Borsten unvermeidlich, letztendlich aber auch ein wichtiges Beweismittel. Wenn das Fahrzeug nicht mehr fahrbereit ist, sollte es abgeschleppt und zu einer Autowerkstatt transportiert werden. Eigene Fotos sind sicherlich auch nicht schlecht.
  • Wildunfälle werden in der Regel von der Kasko-Versicherung übernommen, wenn es sich um so genanntes „Haarwild“ handelt, darunter zählen beispielsweise Rehe, Wildschweine, Hasen und Füchse. Unfälle mit Federwild sind da schon problematischer und werden meist nicht von Autoversicherungen reguliert.

Haben auch Sie eine Frage? Stellen Sie sie uns!

Wildsau gegen Opel Vectra.

Unfälle mit Tiere sind zweifellos immer eine üble Sache. Selbst kleinere Tiere können beträchtlichen Schaden an Fahrzeugen auslösen und dann kommen immer auch so Sachen wie Mitleid und Tierliebe dazu, die oft dazu führen, dass man im Affekt das Steuer verreißt und unfreiwillig möglicherweise schlimme Folgeunfälle auslöst. Das hier ist ein klassischer Wildunfall mit einem Wildschwein, das während der Fahrt gegen einen Opel Vectra C Caravan gelaufen ist (ein Klick für eine Großansicht):

Das Wildschwein hat den Zusammenstoß nicht überlebt, die Insassen kamen, wie man so sagt, „mit dem Schrecken davon“. Und wirklich angenehm sind solche Zusammenstöße wirklich nicht, man kann sich bei diesem Schaden sehr gut vorstellen, was für einen Rumms das gemacht haben wird. Und wenn nach solchen Unfällen am Straßenrand dann auch noch verängstigte Ferkel auftauchen, die ihre verunfallte Mama suchen und dann vielleicht auch noch die mit im Auto sitzenden Kinder bei der ganzen Misere anfangen loszuheulen, dann ist der Tag definitiv gelaufen und der Fahrer fix und alle. Da ist dann gelegentlich richtige Lebenshilfe gefragt. 🙁

Wie kommen eigentlich die Teile ins Autohaus?

Sehr oft kommt es vor, dass sich Kunden bei uns im Haus darüber wundern, wie schnell es den mit unseren Teilen geht. Nun, ich will das mal erklären und etwas Licht (im wahrsten Sinne des Wortes) ins Dunkel bringen. Denn dahinter steckt tatsächlich eine Logistik vom Feinsten.

Die ganze Logistik fängt bei uns im Autohaus an: Hier geben wir in unser vollständig vernetztes Dealer Management System (DMS) eine Bestellung auf. Zuerst muss aber entschieden werden: „Lagerbestellung“ oder „Top-Dring-Bestellung“. Das bedeutet nicht nur in der Liefergeschwindigkeit einen Unterschied, sondern auch im Lieferpreis. Lager-Bestellung bedeutet, dass wir innerhalb von 2-3 Werktagen das bestellte Teil bekommen. „Top-Dring“ hingegen ist, wie der Name schon sagt, dringend!

Eine berechtigte Frage ist hierbei immer, wann denn etwas dringend ist und wann nicht. Grundsätzlich ist es meistens immer dringend, wenn ein Fahrzeug nicht mehr fährt, aber gebraucht wird oder ein sicherheitsrelevantes Teil am Fahrzeug defekt ist, so dass das Fahrzeug nicht mehr betriebssicher ist. Das ist ein Auto beispielsweise, wenn der Motor nicht mehr funktioniert, aber auch schon, wenn die Lenkstange hakt. Nicht dringend hingegen sind alle anderen Defekte, die zwar meist nervig sind, aber die Betriebssicherheit nicht gefährden. Also beispielsweise so Sachen wie ein defekter Aschenbecher, eine kaputtgegangene Kofferraumabdeckung und und und. Man glaubt es manchmal nicht, was man alles in einem Auto kaputtbekommen kann, aber für solche Kleingeschichten kann man dann einen Werkstatttermin machen und in Ruhe die entsprechenden Teile kommen lassen.

Bestellen wir beispielsweise bis 9 Uhr, bekommen wir das Teil, wenn es in Stuttgart im dortigen Regional-Stützpunkt-Lager (RSL) vorrätig ist, um 12 Uhr geliefert. Bestellen wir Top-Dring bis 18 Uhr kommt nachts um 2 Uhr ein TNT-Innight Fahrer und liefert so unsere Teile an. Sollte ein Teil sowohl in Stuttgart als auch in Rüsselheim nicht vorrätig sein, bekommen wir über unser DMS eine dementsprechende Meldung. Dann wird es richtig spannend hinter den Kulissen.

Da inzwischen alle großen Autohersteller nunmehr „just in time“ produzieren, halten sie dementsprechend keine großen Lager mit Teilen mehr und dadurch steigt die Gefahr von „Back orders“, also Teilebestellungen für Teile, die gerade nicht lieferbar sind. Solche Lieferengpässe können aber durch sogenannte „Beschaffungsaufträge“ schnell behoben werden. Das bedeutet, dass ein Teil in so einem Falle dann europaweit gesucht wird und aus einem anderen Opel-Teilelager uns direkt zugesendet wird, wenn es dort vorhanden ist.

Diese Wahnsinnsgeschwindigkeit macht mir persönlich im Alltag zu schaffen, wenn es dann mal nicht so ist. Man stelle sich mich, Timo Gerstel im Schuhladen vor: Die nette Verkäuferin teilt mir mit, dass diese Schuhe in meiner Größe nicht vorrätig sind. Kein Problem, sage ich, dann bestellen wir die halt. Spätestens jetzt raufe ich mir die Haare, denn: Als die Verkäuferin jetzt mit dem Liefertermin rausrückt, fehlen mir die Worte – 4 bis 6 Wochen. Solche Zeiten bin ich einfach nicht gewohnt.

Wenn Sie also demnächst einen völlig verwirrten, nicht mehr einzukriegenden Kunden in einem Schuhgeschäft sehen, der wegen der Lieferzeit flippt, könnte es sich durchaus um einen Menschen aus der Automobilbranche handeln, der andere Lieferzeiten gewohnt ist. 😉

Experten am/im Netz.

Vor gut 2 Wochen rief mich ein Mann von einer Firma namens Live-Expert an. Er stellte sich und sein System vor, ein System mit dem es möglich ist ein Gutachten eines verunfallten Fahrzeugs sofort hier und jetzt zu erstellen. Hää? Sollen wir jetzt ein Büro für einen Gutachter bereitstellen, der den ganzen Tag Kaffee trinkt und wartet bis ein Unfall kommt? Selbst eine Gutachterausbildung machen? Falsch gedacht… Die Sache ist die: Als der Außendienstmitarbeiter von Live-Expert dann bei mir war, wurde mir alles klar!

Fleißig packte er aus seinem Auto (kein Opel… *knirsch*) ein recht professionelles Stativ, eine Art Videokamera und ein Laptop. Alles findet Platz auf oder am Stativ und steht fast so wie eine Profikamera vom ZDF vor mir. Nach dreimaligen Umkreisen war ich schlicht weg begeistert. Und jetzt wie funktionierts?

Stellen wir uns folgenden Fall vor: Ein Kunde kommt mitsamt seinem verunfallten Fahrzeug per Abschleppwagen zu uns auf den Hof. Spätestens hier muss man aufpassen, dass die Schadenssteuerung der Versicherungen nicht zum greifen kommt. Das bedeutet, den Versicherungen keine Zeit zu lassen, das Fahrzeug in eine dubiose Werkstatt bringen und zu supergünstigen Preisen für die Versicherung reparieren zu lassen. In der Sache sind wir uns doch einig: Sie wollen Ihr Fahrzeug im Originalzustand und weiterhin mit 12 Jahren Garantie gegen Durchrostung!

Darum schnell ein Gutachten erstellen und loslegen mit der Instandsetzung. Das geht eben nur beim Fachbetrieb und das wir so einer sind, sehen sie schon daran, wie lange wir das schon machen. (Wink mit dem Zaunpfahl: 99 Jahre.)

Zurück zum Thema. Also, Sie stehen bei uns auf dem Hof mit Ihrem Fahrzeug. Jetzt kommt das System von Live-Expert ins Spiel. Wir bauen unsere Kamera auf und kontaktieren einen Sachverständigen von Live-Expert. Mit gehen wir „live“ verbunden über das Internet ums Fahrzeug und besichtigen zusammen den Unfall. Er stellt detailliert Fragen zum Unfall und steuert mich, beziehungsweise die Kamera. Die ganze Sache dauert ca. 30 Minuten und fertig. Nun heißt es 30 Minuten warten und schon kommt das Gutachten per eMail ins Haus.

Was haben Sie jetzt unterm Strich davon? Schnellere Reparaturabläufe, fachgerechte Instandsetzung, keine Schadenssteuerung seitens der Versicherung.

Also sind wir mal gespannt auf unseren 1. Fall! Ich werde dann berichten.

Eine Frage: Gibt es keine AU-Plakette mehr?

Montags, mittwochs und freitags werden im Autohaus Hauptuntersuchungen vorgenommen. Bisher zum 31. Dezember 2009 war es so, dass die Abgasuntersuchung (die früher auch mal “Abgassonderuntersuchung” hieß) eine gesonderte Veranstaltung war, die zwar gern nach einer Hauptuntersuchung durchgeführt wurde, aber eben nicht zur Hauptuntersuchung gehörte.

Da beide Untersuchungen formal unabhängig waren, gab es auch zwei unterschiedliche Prüfplaketten: Die runde Hauptuntersuchungsplakette, die auf das hintere Autokennzeichen gehört und die sechseckige Abgasuntersuchungsplakette, die auf das vordere Kennzeichen montiert wird.

Da es nun eben die gesonderte Abgasuntersuchung nicht mehr gibt und die Autoabgase im Rahmen der Hauptuntersuchung gemessen werden, gibt es auch keine AU-Plakette mehr. Wenn also zukünftig die sechseckige AU-Plakette vorne an Ihrem Autokennzeichen fehlt, ist das kein Fehler, sondern korrekt, wenn Ihre Hauptuntersuchung nach dem 1. Januar 2010 erfolgt ist.

Ich liebe Samstagsdienste!

Das ist jetzt keine Floskel… es stimmt, ich liebe es, samstags in der Firma Dienst zu machen. Jaja, so mancher wird jetzt gleich vermuten: Schlimme Ehefrau zuhause! – deshalb will der schaffen!

Nein, so ist es nicht. Der Samstag hat bei uns in der Firma einen ganz besonderen Flair. Das Autohaus ist im Gegensatz zum Trubel, der unter der Woche herrscht, nicht wiederzuerkennen. Intim, ruhig und gelassen. Man hört Geräusche im Büro, die hört man unter der Woche sonst nicht. So konnte ich schon einmal eine Festplatte retten, die spätestens die Woche darauf über den Jordan gegangen wäre, nur weil ich samstags in der Festplatte seltsame Geräusche hörte.

Der normale Ablauf Samstags: Erst mal um 8:00 Uhr Kaffee machen, Werkstatt aufschließen, PC hochfahren, abwarten… Abwarten auf das was kommt. Es gibt ganz unterschiedliche Samstage bei uns. So ist es eigentlich die Regel dass bis 9:30 Uhr nicht viel passiert. Ein Kunde steht immer um 8:00 Uhr schon vor der Türe, um regelmäßig nach Öl, Wasser, Luft an seinem Insignia zu schauen. Einen kleinen Plausch über die fast vergangene Woche und der gegenseitige Wunsch eines schönen Wochenendes. Auch so ein Samstägliches Ritual, das ich nicht missen möchte.

Alles nicht so an diesem Samstag. Ich komme um 8:00 Uhr in die Firma und es stehen schon 5 gut gelaunte, voller Tatendrang stehende Kunden. Ich kämpfe mich durch, um an die Werkstattüre zu kommen. Nach diesem kleinen Spießrutenlauf (es ist nie gut, später wie die Kunden zu kommen) fange ich an, die Kundschaft zu sortieren.

Bei Nummer 5 blieb mir dann nach meiner Frage und der folgenden Antwort die Luft weg:

„Was kann man Ihnen oder Ihrem Auto gutes tun?“ fragte ich wie sonst auch.

“ Einen NSU bitte! “

(grübel grübel….) „Verstehe ich jetzt nicht so ganz!?“ fragte ich ungläubig.

„Sie haben doch inseriert!“

Ein Kaffee zum wachwerden war jetzt nicht mehr von Nöten. Alle Gehirnwindungen versuchten sich nämlich fieberhaft zu erinnern, was in den letzten Gesprächen mit unserer Werbeagentur schief gelaufen sein könnte. Eine falsche Zeitungsanzeige? Ein NSU? Aber vergebens. Zwar war mir bewusst, dass unser Urgroßvater Heinrich eine NSU-Vertretung hatte, das ist jedoch schon längst Geschichte, ebenso wie auch die Marke NSU.

Zum Glück beendete der Kunde dieses Verwirrspiel.

„Ich habe eine Zeitung von 1923 und in der hat ihr Urgroßvater 2 Anzeigen geschaltet. Wollen Sie mal sehen?“

Meine Augen leuchteten heller als Xenonscheinwerfer. Ich, der eh wissbegierig über die Geschichte unseres Autohauses bin, stehe hier und sollte gleich eine Zeitung von 1923 sehen mit einer Anzeige, von Heinrich geschaltet… da weht an so einem Samstagmorgen schon so etwas an, so ein Eishauch der Geschichte (na, wer weiß, aus welchem Film dieses Zitat kommt?).

Der Kunde geht an sein Auto und holt – einen in Leinentücher eingewickelten Bilderrahmen heraus. Die Spannung stieg bis ins unermessliche. Behutsam wickelte er das Teil aus.

Kurz bevor es zum Vorschein kam stoppte er und erzählte mir erst die Geschichte, wie er an das Teil gekommen war:

„Ich kaufte auf einem Pforzheimer Flohmarkt eine Spiegel, der einen wunderschönen Rahmen hatte. Das Spiegelglas war zwar gebrochen, aber der Rahmen hat es mir angetan. Ich nahm ihn mit nach Hause und fing an, den Spiegel zu zerlegen. Es war Sitte früher, hinter Spiegelglas Zeitung als federnde Unterlage zu legen. Und siehe da, eine Zeitung von 1923 war hinter dem Glas.“

Unglaublich. Er überreichte mir das gute Stück und auf dem originalen Zeitungspapier finden sich gleich 2 Anzeigen anlässlich dem „3-Fach Sieg des NSU 5/15 PS beim legendären Avus-Kleinautorennen in Berlin“:

Leider lässt sich die Zeitungsseite nicht mehr genau rückdatieren, weil die Ecken fehlen. Aber 87 Jahre alt ist das Papier auf alle Fälle und schön eingerahmt hat das Relikt nun einen Stammplatz im Ladengeschäft.