Eine Frage: Was ist eigentlich Alcantara?

Wenn ich zusammen mit Kunden ein Fahrzeug konfiguriere – was wir übrigens gern machen – und wir bei der Innenausstattung ankommen, dann stellt sich immer die Frage, ob die Sitzbezüge aus Stoff oder aus Leder sein dürfen. Das ist vor allem eine Preisfrage, denn eine Lederausstattung ist in der Regel teurer, weil auch die Verarbeitung von Leder ganz anders und viel aufwendiger ist. Andererseits haben Ledersitze einen ganz anderen Sitzkomfort und gut verarbeitetes Leder ist auch pflegeleichter, als Stoffbezüge.

Aktuelle Opel-Modelle haben zwar derzeit keine Option für Alcantara-Ausstattung, aber Alcantara gab es in der Vergangenheit immer wieder einmal bei früheren Modellen, beispielsweise beim Opel Astra G. Alcantara hat einen ähnlichen Sitzkomfort wie Velourleder und bewegt sich preislich auch in ähnlichen Gefilden. Der Preis für die Meterware bewegt sich auf der Ebene von hochwertigem Leder, was vor allem deshalb so ist, weil die Produktion von Alcantara sehr aufwendig ist.

Was viele Autobesitzer (und auch Autohändler) dabei nicht wissen: Alcantara ist gar kein Leder, sondern ein Lederimitat. Und: Für Alcantara muss auch kein Tier seine Haut abgeben, denn Alcantara ist ein reiner Kunststoff. Ganz richtig: Kunstleder, das aus den Werkstoffen Polyester und Polyurethan als sehr dünner Faden produziert wird und der dann aufwendig auf ein bestehendes Gewebe aufgetragen wird, so dass dann weiche und anschmiegsame Stoffbahnen entstehen, die extrem strapazierfähig sind.

Der Begriff „Alcantara“ ist dabei das Warenzeichen und auch der Name des Unternehmens, nämlich der italienischen Firma Alcantara S.p.A., die den Stoff ausschließlich im italienischen Terni in Umbrien in Lizenz produziert. Entwickelt wurde Alcantara 1970 vom japanischen Chemieunternehmen Toray zusammen mit der italienischen Eni-Gruppe, zu der unter anderem die Agip-Tankstellen gehören. Klar, für Kunststoffe benötigt man erst einmal Erdöl bzw. Ölprodukte.

Das fertig verarbeitete Alcantara macht aber so gar keinen Eindruck, dass es ein Kunststoff ist und deshalb gehört Alcantara unter den Kunstfasern ganz klar in die Königsklasse. Wenn aber jemand von „Alcantara-Leder“ oder gar von „Alcantara-Rindern“ spricht (was gar nicht so selten ist, wenn Laien von Dingen reden, von denen sie nicht so wirklich viel Ahnung haben), dann dürfen Sie zukünftig schmunzeln. 🙂

Kleiner Tipp in Sachen Reinigung von Alcantara: Lassen Sie tunlichst die Finger weg von chemischen Reinigungsmitteln! Am sinnvollsten ist zur Reinigung von Alcantara immer noch lauwarmes Wasser und höchstens eine milde Seifenlauge plus einer weichen Bürste. Mit dieser Kombination bekommen Sie die meisten Flecken von Alcantara-Bezügen herunter. Schlimmere Flecken sind dann wirklich eine Angelegenheit für Spezialisten.